Soziale Belastungen Beispiel Essay

On By In 1

 

Einleitung

Dinge, die mich als erstes interessiert haben, als ich mich mit den Kursinhalten beschäftigt habe waren, was sind „Neue Medien“? Sind es nur für mich  oder auch für Kinder „Neue Medien“? Und noch eine Frage hat mich beschäftigt, wo fängt der Begriff „Neue Medien“ an? Ist das nicht eine Altersfrage?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, habe ich einmal das Internet, also das „Neue Medium selbst, befragt und folgendes gefunden.

Auf der Seite http://www.google.de/imgres?imgurl=http://bildung.freepage.de/cgi-bin/feets/freepage_ext/41030x030A/rewrite/airwolf007/Kapitel3/Klimsa90.jpg&imgre stand am  25.10.11 um 10:57 Uhr:

 

„Wandel in der Auffassung des Begriffs „Neue Medien“

Man kann momentan ein immer stärkeres Zusammenwachsen der „Neuen Medien“ beobachten, das zu einer Multifunktionalität führt. Multifunktionalität ist ein wichtiges Attribut der „Neuen Medien“.

In den 80er Jahren hatten wir eine völlig andere Auffassung von den „Neuen Medien“ (vgl. Abb. 8). Damals – man denke nur an die brotkastenförmigen Commodore C64 Computer – war das Medium Fernseher im Zentrum. Alle anderen Medien, wie z.B. Home Computer, Videorecorder, Bildschirmtext usw. waren nur sekundär.

Gegenwärtig hat sich der Begriff der „Neuen Medien“ einer nahezu revolutionären Modifikation unterzogen. Der Computer hat die Stellung des herkömmlichen Massenmediums Fernseher eingenommen und steht im Zentrum. Alle bisher verwendeten Medien lassen sich mit Hilfe des PC zu einem Medienverbund verschmelzen. Der Computer ist nun in der Lage, Texte, Grafiken, Standbilder, Töne, Animationen und Videosequenzen so zu kombinieren und aufzubereiten, daß schwierige Sachverhalte und komplexe Zusammenhänge schneller vom Benutzer verstanden und verarbeitet werden können (vgl. Abb. 9). Bedingt durch dieses Zusammenwachsen der Medien wurde der Grundstein für das Multimediazeitalter geschaffen.“

So etwas Ähnliches fand ich auch am 25.10.11 um 10:45 Uhr unter http://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Medien.

 

„Der Begriff Neue Medien bezieht sich auf zeitbezogene neue Medientechniken.

Anfänglich wurde damit das Radio bezeichnet, in den Anfängen des Fernsehens wurde der Begriff dafür gebraucht, und mit dem Aufkommen von Videotext und BTX wurden diese als Neue Medien ausgezeichnet. Seit Mitte der 1990er Jahre ist er für alle elektronischen, digitalen, interaktiven Medien und im Kontext Multimedia und Netzpublikation gebräuchlich.

Heutzutage werden als Neue Medien meistens Medien bezeichnet, die Daten in digitaler Form übermitteln oder auf Daten in digitaler Form zugreifen, also z. B. E-Mail, World Wide Web, DVD, Blu-ray, CD-ROM, usw. Im engeren Sinne sind Dienste gemeint, die über das Internet möglich sind.

Als Kennzeichen der Neuen Medien lassen sich die rechnergestützte Handhabung, das digitale Vorliegen der Daten sowie die Interaktivität beim Umgang mit diesen Daten festhalten. Erst die Digitalisierung von Informationen, Ton, Bild, Bewegtbild, usw. und die schnelle Weiterentwicklung der Kompressionsverfahren ermöglichten die Bewältigung der enorm großen Datenmengen, wodurch der Übergang von der Dienstleistungsgesellschaft in die Informationsgesellschaft eingeleitet wurde. Manchmal wird auch der Begriff Multimedia durch den der Neuen Medien ersetzt, da durch die Digitalisierung die Integration von allen möglichen Kommunikationswegen wie Sprache und Text, Video und Audio, Telekommunikation, Unterhaltungselektronik und Computertechnik geschehen kann. Dieses Zusammenwachsen ist kennzeichnend für die Angebote der neuen Informations- und Medienwelt.“

Insgesamt kann ich sagen, dass diese Aussagen genau das wiedergeben, was ich mir bei dem Wort „Neue Medien“ als erstes gedacht habe. Der Begriff „Neue Medien“ ist relativ schwammig, denn „Neue Medien“ sind irgendwann nicht mehr neu. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass die „Neuen Medien“ für die Generation, die ab dem Jahr 2000 geboren wurde, schon nicht mehr neu sind. Aus meiner Sicht sind die Nutzer, die nach diesem Jahr geboren wurden sogenannte Native User.

Also befassen wir uns aus meiner Sicht in diesem Seminar mit Medien, die uns neu erscheinen, aber nicht wirklich für alle Generationen neu sind.

Im Folgenden werde ich darüber berichten wie ich die „Neuen Medien“ nutze und was ich von ihnen halte. Außerdem werde ich schriftlich darlegen was ich von diesem Kurs erwarte.

 

Ich und die „Neuen Medien“

Ich stehe den „Neuen Medien“ sehr kritisch gegenüber. Ich nutze sie für das Studium, Internetrecherche, kurzen Informationsaustausch, Onlineeinkäufe und finde sie für diese Tätigkeiten super, kann aber mit diesem Hype um die „Sozialen Netzwerke“ nicht viel anfangen. Die „Neuen Medien“ sind sehr wichtig geworden um den Menschen das Leben einfacher zu gestalten. Durch unterschiedliche Anwendungen können sie Arbeitsabläufe erleichtern und einem mehr Freizeit bieten oder für Einsparungen in Unternehmen sorgen. Ich habe für dieses Essay auch mehrmals auf das Internet zurückgegriffen und bin nicht in die Bibliothek gegangen, hierdurch konnte ich schneller an die benötigten Informationen kommen. Sie nehmen allerdings auch sehr viel Einfluss auf Privatsphären. Es gibt viele Menschen, die offenbaren im Internet wichtige Teile ihres Lebens. Sie führen in Blogs Tagebuch und jeder kann es lesen. Ich finde es schon sehr privat, wenn ich weiß, dass jeder dieses Essay lesen kann. Freunde oder sogar Partner werden nach Profilen ausgewählt, man trifft sich nicht mehr zufällig bei seinen Freizeitaktivitäten oder in einer Bar, sondern stöbert einfach in einer Art Katalog. Ich habe das Gefühl als würde speziell das Internet die Selbstdarstellerische Veranlagung vieler Personen ansprechen.

Ich kann mit diesen „nichtanwesenden Personen“, denen ich nur schreibe nicht viel anfangen, mir ist der persönliche Kontakt lieber. Vor mehreren Jahren habe in der Personalabteilung eines größeren Unternehmens gearbeitet und kaum Kontakt zu meinen Mitarbeitern gehabt, es sei denn sie saßen mit in meinem Büro. Dort wurden alle Kleinigkeiten über das Intranet ausgetauscht und ich muss sagen, dass ich mich dort sehr unwohl gefühlt habe.

Vorher war ich bei einem mittelständischen Unternehmen in der Personalabteilung tätig, dort hat man persönlich mit den Mitarbeitern gesprochen. Hierdurch konnte man Sätze besser verstehen und durch den zwischenmenschlichen Kontakt mehr Informationen austauschen, als man es durch die Schriftsprache jemals könnte. Durch den Austausch im Internet müssen die Menschen keine zwischenmenschliche Beziehung aufbauen, sondern können anonym vor ihrem Laptop oder einem anderem Gerät sitzen.

 

Der Grund meiner Wahl für diesen Kurs

Für die heranwachsende Generation sind die „Neuen Medien“ unwahrscheinlich wichtig. Sie wachsen direkt damit auf und das ist der Grund warum ich mich für diesen Kurs interessiert habe. Im Internet konnte ich folgendes dazu finden.

Aus: Medienkompetenz (1997): Die fünfte Gewalt. (Phoenix), 10.06.1996, 13:30-14:00

„Die Bildungskommission des Landes Nordrhein-Westfalen stellt sich „Medienkompetenz als Element allgemeiner und beruflicher Bildung […]“ vor.

Medienkompetenz soll vor allem…

o   „als Befähigung zum Umgang mit allen Medien und den Produkten der Informations- und Kommunikationstechnik,

o   als Befähigung der Nutzung der Medien zum Lernen und Gestalten,

o   als Urteilsfähigkeit gegenüber den Botschaften der Medien“ verstanden werden.

Die technischen Voraussetzungen für den Multimediaeinsatz sind bereits vorhanden und werden über kurz oder lang in den Klassenräumen Einzug halten. Die Aufgabe der Schulen wird es sein, den Schülern die Grundlagen für den Umgang mit der multimedialen Technik zu vermitteln, um sie auf das zukünftige Leben und die Arbeitswelt in einer von Medien geprägten Informationswelt vorzubereiten. „Medienkompetenz ist so wichtig wie nie zuvor, nicht zuletzt auf dem Hintergrund des lebenslangen Lernens“. „

Die Kinder von heute setzen sich anders mit Medien auseinander, als wir es früher getan haben. Sie müssen den Umgang mit den unterschiedlichen Medien lernen und sollten sich kritisch damit auseinander setzen können. Meine späteren Schüler werden sich in sozialen Netzwerken treffen, Schulinhalte werden  über diese Netzwerke ausgetauscht und aus diesen Gründen muss ich ein gewisses Verständnis für dieses Medium entwickeln. Das ist der Hauptgrund warum ich dieses Seminar belegt habe, ich erhoffe mir bessere Erkenntnisse und ein Verständnis für die neuen Medien und vor allem für die sozialen Netzwerke. Außerdem interessiert es mich welche Bedeutung die „Neuen Medien“ für das zukünftige Berufsleben der Schüler haben. Ich werde schließlich irgendwann die Generation unterrichten, für die diese Medien etwas völlig normales sind.

 

Resümee

Ich muss zugeben, dass mir das Schreiben dieses Essays sehr schwer fiel, da ich keinen blassen Schimmer hatte was „Neue Medien in außerschulischen pädagogischen Berufsfeldern“ genau sind. Auch mein Mann der normalerweise technisch sehr interessiert ist konnte mir nicht weiterhelfen. Aus dem Grund zog ich das Internet zu Hilfe und habe drei Berichte in meinem Essay zitiert. Somit fiel es mir leichter die Thematik der „Neuen Medien“ zu verschriftlichen. Ein Bezug zu den außerschulischen pädagogischen Berufsfeldern ist mir leider nicht geglückt. Das mag daran liegen, dass ich auf Lehramt studiere und selten mit außerschulischen pädagogischen Institutionen in Kontakt komme. Ich hoffe, dass ich einen Einblick über diese für mich noch unbekannte Thematik erhalte und später dennoch Inhalte aus dem Kurs mit in mein Berufsfeld nehmen kann, auch wenn der Titel des Seminars etwas anderes verspricht.

Posted inEssays

​​Fatma ist beim Doktor. Die Schülerin türkischer Herkunft klagt über Herzschmerzen und möchte vom Sportunterricht befreit werden. Doch bei der Untersuchung kann der Arzt nichts finden. Einfühlsam fragt er Fatma nach dem eigentlichen Grund, ein Attest zu wollen. Vom Streit in der Familie erzählt Fatma ihm nichts. Aber zum ersten Mal zeigt sie einem Fremden ihren Kummer:

"Mein Schluchzen hinderte mich daran zu sprechen. Ich schämte mich so sehr, dass ich noch nicht einmal die Wahrheit offenbaren konnte. Irgendwann hörte ich meine piepsige Stimme sagen: 'Ich bin in einer sehr großen Not. Bitte geben sie mir ein Attest.'"

Die Szene ist realistisch, auch wenn sie aus einem Roman stammt. "In meiner Not rief ich die Eule" heißt das Erstlingswerk der türkischstämmigen Autorin Betül Licht, die selbst als Kind mit ihren Eltern nach Deutschland kam.

In ihrem Buch lenkt sie den Blick auf das Schicksal eines jungen Mädchens, dessen Familie bei dem Versuch scheitert, in Deutschland heimisch zu werden, und zudem auf ein wichtiges, doch bislang kaum beachtetes Phänomen: die psychische und physische Belastungen einer Migration.

Dauerbelastung der Psyche

Licht hat sie am eigenen Leibe erlebt: Die Spannungen, die aus den Normen und Werten ihrer Herkunftskultur und den Anforderungen des Lebens in einer neuen Heimat erwachsen.

Arbeitslosigkeit, beengte Wohnsituation, Orientierungslosigkeit in der Fremde, soziale Kontrolle durch die eigenen Landsleute und die Unfähigkeit über all diese Probleme zu sprechen, erzeugen eine Dauerbelastung der Psyche, die sich explosionsartig entladen kann: in familiärem Stress und Streit, in Isolation oder Krankheit und in Extremfällen auch in Gewalt.

​​Betül Lichts Roman beruht auch auf ihrer beruflichen Erfahrung: Sie arbeitet seit acht Jahren als Heilpraktikerin für Psychotherapie in der Beratungsstelle "Hamburgische Brücke" – zusammen mit ihrem türkischstämmigen Kollegen Cenk Kolcu. Beide verstehen nicht nur Türkisch, sondern auch die Sorgen und Nöte von Einwanderern.

Doch noch immer ist es für viele Migranten nicht selbstverständlich, ihr Inneres vor einem psychologisch geschulten Fremden auszubreiten. "Vor Jahren war das ganz undenkbar", sagt Licht. Mittlerweile wird die Unterstützung jedoch dankbar angenommen. "Wie? Hast du etwa keinen Psychologen?", zitiert Kolcu die Mutigen.

In ihrem Roman beleuchtet Betül Licht vor allem die Situation der Kinder: Zerrissen zwischen dem Wunsch, Kontakte zu Deutschen zu knüpfen und in der neuen Heimat Fuß zu fassen, aber gleichzeitig auch den religiösen und moralischen Anforderungen und Verboten der Familie zu folgen.

Oft ausgeblendet: Die Rolle der Frauen

"Ein gutes, reines Mädchen zu sein, das den Blick senkt und keine eigene Meinung äußert", lässt Hauptperson Fatma in "die weiße Welt" flüchten. Sie versinkt in Depressionen, die zunehmend bedrohlicher werden: Selbstverstümmlungen und Selbstmordphantasien sind lautlose Hilfeschreie, die die Umwelt nicht wahrnimmt.

Anschaulich zeigt Licht, wie Überforderung und Hilflosigkeit der gesamten Familie in Gewalt münden. Im Fall von Fatma geht diese von Frauen aus: Mutter und Großmutter quälen und schlagen sie. Was Licht in ihrem Roman beschreibt, deckt sich mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen: So wie die tragende Rolle der Frauen und Mütter beim Prozess der Migration und Integration oft übersehen wurde, so wurde ebenso konsequent ausgeblendet, dass nicht wenige dabei versagen.

"Gewalt von Frauen in Migrantenfamilien ist ein Tabuthema", glaubt Licht. Gewalt in der Erziehung kann generell auf einzelne Mütter zutreffen, doch die Belastung von Müttern mit Migrationshintergrund – und damit das Gewaltrisiko – ist oft größer.

"Der ständige Druck macht krank"

Als Fremde und Neuankömmlinge tragen Frauen häufig die größte Belastung, weil sie zwischen allen Familienmitgliedern vermitteln, gleichzeitig fehlt ihnen aber oft ein Ventil: Außenkontakte sowie Sprachkenntnisse.

​​ Auf die Entwurzelung einer Migration reagieren Menschen unterschiedlich: Manche leiden psychisch, andere körperlich. Mal versagt die Bandscheibe, mal droht Fettleibigkeit mit überhöhtem Blutdruck, mal Diabetes. "Der ständige Druck macht krank", sagt Lichts Kollege Kolcu.

Jürgen Collartz von der Medizinischen Hochschule Hannover schätzt, dass Einwanderer ein zehnmal größeres Krankheitsrisiko haben als Deutsche. Bedeutet das im Umkehrschluss, das Migration krank macht? Nicht zwangsläufig, argumentieren Ärzte und geben eine verblüffende Rückmeldung: Integration sei gesundheitsfördernd.

Mit anderen Worten: Gelingt der schwierige Balanceakt zwischen Selbstbehauptung und Anpassung an die veränderten Umstände, dann fördert das Selbstbewusstsein und körperliches Wohlbefinden.

Häufig aber wird der Arztbesuch eines Patienten ausländischer Herkunft selbst zu einem Spagat, der in neuen Missverständnissen mündet. In sozialmedizinischen Gutachten über türkische Migranten finden sich Aussagen wie: "Ihr Verhalten ist leidensbetont mit demonstrativen Schmerzangaben" und "jede Bewegung des Körpers wird von Schmerzbekundungen begleitet".

Deutsche Ärzte verstehen das in ihrer Wahrnehmung übertriebene Jammern und Stöhnen von Patienten aus anderen Kulturkreisen oft falsch, wie die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Marianne Röhl in ihrem Nachwort zu Lichts Roman ausführt:

​​ "Als ich vor circa 30 Jahren die ersten Kontakte zu Menschen mit Migrationshintergrund aus der Türkei hatte, war ich, eine naturwissenschaftlich ausgebildete Ärztin des monokulturellen Medizinbetriebs beleidigt, als mir eine Frau auf die Frage nach ihren Beschwerden antwortete, es seien 'Wüstenstürme' in ihrem Kopf, die bis in die Füße zögen. Eine andere meinte, sie sei stundenlang bewusstlos gewesen, nachdem sie sich erschreckt hatte."

Oft fehlt eine "kulturelle Übersetzung"

Was deutsche Ärzte zuweilen verständnislos als "Theater" abtun, bedeutet in der "kulturellen Übersetzung" allerdings nichts anderes als die Botschaft: "Schau her, ich bin krank und brauche Hilfe." Die Missverständnisse werden dadurch verstärkt, dass Migranten oft gar nicht wissen, dass es medizinische Disziplinen wie Psychotherapie gibt. Folglich können sie kaum erkennen, dass körperliche Beschwerden möglicherweise psychische oder soziale Ursachen haben.

Ahmet Kimil ist Diplom-Psychologe und arbeitet im Ethno-Medizinischen Zentrum e.V. in Hannover. "Migration macht verletzlich", sagt er. In einer vergleichenden Studie mit der Medizinischen Hochschule Hannover, die vom Bundesforschungsministerium für Forschung finanziert wurde, hat das Zentrum insgesamt 600 russische und türkische Einwanderer interviewt.

Beide Gruppen wiesen deutlich größere psychische Belastungen auf als Deutsche; bei den Untersuchten türkischer Herkunft waren die Werte noch Besorgnis erregender als bei den russischen. "Neben den sozialen, psychischen, kulturellen müssen türkische Einwanderer auch noch die religiösen Unterschiede kompensieren", interpretiert Kimil das Ergebnis.

Bei der Verständigung über gesundheitliche Fragen müssen zwangsläufig beide Seiten dazu lernen – Einwanderer wie deutsche Ärzte. Das macht Kimil an einem Beispiel aus seiner psychotherapeutischen Arbeit deutlich. Eine gebildete, religiöse Muslima hatte den Psychologen türkischer Abstammung aufgesucht, obwohl sie bereits bei deutschen Kollegen wegen einer Depression in Behandlung gewesen war.

"Die hätten schon geholfen", erklärte sie, formulierte aber auch Unbehagen. Die deutschen Spezialisten hatten ihre Familie und ihr Kopftuch reflexartig als Kern des Problems diagnostiziert und sie aufgefordert, sich davon zu trennen, was die Patientin anders sah. Möglicherweise fehlte den Ärzten die Bereitschaft neugierig zu sein, zuzuhören und dazuzulernen.

Ute Hempelmann

© Qantara.de 2008

Ute Hempelmann, geboren 1963, lebt als Autorin in Hamburg. Sie arbeitet für ARD-Hörfunksender und schreibt für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften.

Betül Licht, In meiner Not rief ich die Eule: Eine junge Türkin in Deutschland, Hoffmann und Campe, gebundene Ausgabe, August 2008.

Qantara.de

Einwanderer in Deutschland
Am gesellschaftlichen Rand
Während sich die erste Generation der Arbeitsmigranten kaum mit ihrer neuen Heimat identifizieren konnte, verstehen sich Einwanderer der zweiten und dritten Generation als Teil der deutschen Gesellschaft. Dennoch hat sich ihre soziale Stellung kaum verändert. Ein Rückblick von Ülger Polat

Studie über deutschtürkische Akademiker und Studenten
Verschenktes Potenzial
Sie haben erfolgreich studiert, sind bilingual und in zwei Kulturen heimisch: Die türkischstämmigen Akademiker in Deutschland. Eine Studie legt nun erstmals Zahlen zu dieser Bildungselite vor und bringt überraschende Erkenntnisse zu Tage. Nimet Seker informiert

Dossier
Migration in Deutschland
In Deutschland, das sich in den vergangenen Jahrzehnten zum Einwanderungsland entwickelt hat, zählen türkische Migranten heute zur größten Einwanderungsgruppe. In unserem Dossier wollen wir ihre Geschichte, Integration und verschiedenen kulturellen Lebensformen beleuchten.

0 comments

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *